Portraitfotografie

Portrait eines KindesDie Portraitfotografie ist wohl das älteste und zugleich das populärste Genre der Fotografie. Schon die frühen Fotopioniere wagten sich an Portraits heran. Sie sollten die bis dahin übliche Portraitmalerei ersetzen. Da in der Anfangszeit der Fotografie die Belichtungszeiten aufgrund der lichtschwachen Objektive mehrere Sekunden dauerten, war das sowohl für Fotograf, als auch für den/die Fotografierten eine qualvolle, bisweilen auch nervenaufreibende Angelegenheit. Im ungünstigsten Fall musste die Sitzung später sogar noch einmal wiederholt werden. Da ist es heute aufgrund der zur Verfügung stehenden Technik schonh ein wenig leichter. Entscheidend für die Herangehensweise, die Technik und die Location für Portraits ist in erster Linie der Verwendungszweck. So ist es natürlich ein großer Unterschied, ob ein Passfoto, ein Bewerbungsfoto, ein Hochzeitsbild oder ein Portrait fürs Familienalbum gemacht werden soll. Doch der Reihe nach:

Das Passfoto

… sollte dem Profi vorbehalten bleiben. Fotos für Personalausweis oder Reisepass unterliegen ganz engen Regeln. Die Regeln umfassen nicht nur Größe des Fotos, sondern es müssen auch biometrische Gesichtspunkte beachtet, Beleuchtung und Hintergrundfarbe müssen beachtet werden. Werden die Regeln nicht exakt eingehalten, so wird ein solches Bild von der Behörde abgelehnt. Weniger streng sind die Anforderungen an Schüler-, Studenten- oder Betriebsausweise. Aber auch diese bieten wenig Spielraum für kreative Ansätze.

Bewerbungsfotos

Hier kann der ambitionierte Hobbyfotograf schon eher zum Zuge kommen! Aber bedenken Sie, ein schlechtes Bewerbungsfoto macht eben auch einen schlechten Eindruck. Was im Familienalbum noch gut aussieht, wirkt als Bewerbungsfoto vielleicht auf den Personalchef unprofessionell und man erntet völlig unerwartet schon die ersten Minuspunkte. Eine Bewerbung sollte den Bewerber auch im besten Lichte erscheinen lassen. Das gilt im wahrsten Sinne des Wortes auch für das Bewerbungsfoto. Lassen Sie auch hier im Zweifel lieber den Profi ran!

Hochzeits- und Jubiläumsfotos

Ein schönes Betätigungsfeld für Hobbyfotografen! Hier kann man seine Kreativität ausleben, verschiedene Posen ausprobieren und später am PC mit Rahmen u.v.m herumexperimentieren. Doch Vorsicht! Wenn hier bei der Aufnahme etwas schiefgeht, z.B. Pixelfehler oder Staub auf dem Sensor auftreten oder der automatische Weißabgleich in die Hose geht, dann ist der Ärger vorprogrammiert. Insbesondere die „offiziellen“ Fotos sollte man lieber den Profis überlassen. Gerade solche Fotos sind meist nicht oder nur mit erheblichen Aufwand reproduzierbar. Wenn da also etwas schiefgeht, zieht man sich schnell den Unmut des Hochzeitspaares oder Jubilars zu. In meiner Anfangszeit als Hobbyfotograf wurde ich gebeten, zu einem Dienstjubiläum den Fotografen „zu spielen“. Das war noch in Zeiten der analogen Fotografie. Beim Einfädeln des Film riß die Perforation und der Film wurde nicht transportiert, ´bemerkt hatte ich das zunächst nicht. Im Laufe der Veranstaltung kamen dann einige Kollegen in historischen Uniformen, die sie sich im Theater ausgeliehen hatten. Wie man leicht nachvollziehen kann, war der Ärger über die verpassten Aufnahmen hinterher entsprechend groß. Seit dieser Zeit mache ich keine „offiziellen“ Fotos mehr auf solchen Veranstaltungen.

 Presse-, Mode- und Werbefotografie

Das sind alles Bereiche, wo für Hobbyfotografen die Luft ganz dünn wird, soll heißen, dies Bereiche sollten den Profis vorbehalten bleiben. Lediglich Hobbyfotografen auf sehr hohem Niveau, mit extravaganter und daher auch sehr kostspieliger Ausrüstung können sich auf diese Felder vorwagen. Die absolute Beherrschung des fotografischen Knowhows und der eigenen Technik muss hier  bedingungslos vorausgesetzt werden.

 Portraits fürs Familienalbum

Dies ist die Domäne der Hobbyfotografen. Da gibt es auch keine warnend erhobenen Zeigefinger oder Bedenken. Im Gegenteil, ich möchte jeden ermuntern sich an Portraits zu versuchen. Die Gegebenheiten unter denen diese Fotos entstehen können sind vielfältig. Das ist auch der Grund, warum man ständig seine Technik verbeseern kann. Nähern wir uns diesem Thema Schritt für Schritt. Wir erinnern uns, fotografieren heisst malen mit Licht! Das Licht beeinflusst das Ergebnis unseres Fotos in entscheidendem Maße.

Portraits unter freiem Himmel

Ob wir Draußen bei bedecktem Himmel, in knalliger Mittagssonne, abends im warmen Sonnenlicht oder frühmorgens bei aufgehender Sonne ein Portrait schießen, ist bei ansonsten völlig gleichen Bedingungen ein himmelweiter Unterschied.
Doppelportrait zweier älterer MenschenWenn man also ein Portrait unter freiem Himmel machen will, sollte man – so dies möglich ist – die Lichtverhältnisse planen. Nach Möglichkeit sollte man die pralle Mittagssonne meiden, weil die Probleme mit dem knalligen Sonnenlicht recht gravierend sein können. Hat das Modell die Sonne im Rücken, besteht die Gefahr von Blendenflecken, Schatten im Gesicht entstehen, wenn man keinen Aufhellblitz einsetzt. Sonne im Rücken des Fotografen leuchtet das Modell zwar super aus, aber das führt häufig dazu, dass es blinzeln muss und wir just in dem Moment belichten, in dem die Augen zusammen gekniffen oder geschlossen sind. Sonne von der Seite (Streiflicht) führt zu  Schlagschatten der Nase und in den Augenhöhlen. Die einzige Möglichkeit vernünftige Portraits bei knalliger Mittagssonne zu schießen, ist das Shooting im Schatten. Dabei ist der Aufhellblitz absolutes muss.

Künstliche Lichtquellen

Wenn Portraits in Innenräumen gemacht werden, benötigt man in der Regel künstliches Licht. Als Lichtquellen stehen hier Fotoleuchten, Scheinwerfer, Blitzgeräte, aber auch Baustrahler und Glühbirnen zur Verfügung. In der Studiofotografie wird die Lichtquelle meist von einer Softbox umgeben, die zu einer gleichmäßigeren Ausleuchtung des Modells beiträgt.. Eine recht einfache Methode, um das harte Licht eines Blitzlichtes in weiches, diffuses Licht zu verwandeln, ist das Blitzen gegen  Decken und Wände. Das funktioniert allerdings nur bei einigermaßen hellen und nicht zu weit entfernten Decken und Wänden. Es ist in Wohnungen meist gut einsetzbar, in großen Hallen oder Kirchen klappt das nicht. Diese Art der Ausleuchtung ist auch bei anderen Fotos, wie z.B. Kinderfotos zu empfehlen. Weil die Farbtemperatur von künstlichen Lichtquellen unterschiedlich ist, muss man sorgfältig auf den Weißabgleich achten. Kaum Probleme macht dabei das Blitzgerät, diese haben normalerweise eine ähnliche Farbtemperatur wie das Tageslicht.

In Zusammenhang mit Biltz oder Strahlern haben sich Reflektorschirme sehr gut bewährt. Sie hellen das Modell von der lichtabgewandten Seite auf und vermeiden damit unschöne Schatten im Gesicht. Diese Refelktoren gibt es für wenige Euro im Handel zu kaufen, sind meist zusammenfaltbar und damit gut transportabel. Es gibt sie in Silber, Gold und farbig. Dabei nimmt die Farbe des zurückgeworfenen Lichts die Farbe des Reflektors an und kann somit entsprechend eine härtere  oder wärmere Lichtstimmung erzeugen.

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