Objektiv gesehen

Das Objektiv ist zweifelsohne zu einem Großteil für die Bildqualität verantwortlich. Aus dieser Sicht ist es schon verständlich, dass bei Objektiven auf Qualität geachtet wird. Dennoch ist es erstaunlich, dass für Spitzenobjektive fast 5-stellige Eurobeträge aufgewendet werden (müssen).

Wenn wir hier über Objektive sprechen, dann sprechen wir über Wechselobjektive. Aber alles was hier zu den Objektiven gesagt wird, gilt natürlich auch fur fest eingebaute Optiken. Wer sich mit dem Gedanken trägt, sich eine neue Kamera mit fest eingebautem Objektiv zu kaufen, der kann die hier gemachten Aussagen zu Anwendungsbereich und Qualität durchaus analog anwenden.

Zunächst wollen wir uns um die wesentlichen Eigenschaften eines Objektivs kümmern, als da wären: Brennweite, Lichtstärke, Abbildungsleistung und Preis.

Die Brennweite

Unter Brennweite versteht man, vereinfacht gesehen, den Abstand Frontlinse zur Sensorebene. Man kann sich das bildlich vorstellen, wenn man einen Sonnenstrahl durch eine Lupe auf ein Blatt Papier fokussiert. Nach kurzer Zeit beginnt das Papier zu brennen. Der Abstand zwischen dem Papier und der Lupe entspricht seiner Brennweite. Genau genommen ist das jedoch weder die vordere, noch die hintere Seite einer bikonvexen Linse, sondern deren Mittelachse. Man spricht von der sogenannten Hauptebene.

Doch irgend etwas scheint an dieser Überlegung nicht zu stimmen, denn dann müsste ein Objektiv mit 300mm Brennweite ca. 30 cm lang sein und ein Objektiv mit 20mm Brennweite nur 2cm. Das scheint in der Realität aber nicht so zu sein. Eine asymmetrische Linse besitzt zwei Hauptebenen: eine objektseitige und eine bildseitige Hauptseite. Als Brennweite bezeichnet man bei diesen Linsen den Abstand der bildseitigen Hauptebene und der Sensorebene. Dabei kann die bildseitige Hauptebene durchaus hinter der Glaslinse liegen.

Das hängt mit der Konstruktion von Objektiven zusammen. Jedes moderne Objektiv besteht aus mehreren Linsen, um Abbildungsfehler auszugleichen. Bei diesen mehrlinsigen Systemen hat man es ebenenfalls mit einer objektseitigen und einer bildseitigen Hauptebene zu tun. Da bei einer Spiegelreflexkamera zwischen Objektiv und Sensor noch der Spiegel und Verschluss untergebracht werden. Hier machen sich jetzt die Objektivkonstrukteure das Prinzip der bildseitigen Bildeben zunutze, indem sie ihre Objektive so berechnen, dass diese bildseitige Hauptebene hinter dem rückwärtigen Linsenglas liegt und damit aber den richtigen Abstand zur Sesorebene aufweist.

Die Lichtstärke

Unter dem Begriff Lichstärke versteht man die Anfangsöffnung oder auch größte relative Öffnung eines Objektivs. Der Fotograf verbindet damit die größte Blende (kleinste Blendenzahl) des Objektivs und damit , wieviel Licht maximal durch das Objektiv auf den Sensor gelangen kann. Technisch bezeichnet man damit das Öffnungsverhältnis eines Objektivs. Das ist das Verhältnis zwischen Öffnungsdurchmesser zur Brennweite. Die Lichtstärke eines Objektivs wird als Verhältniszahl angegeben, z.B. ist 1:1,4 höher als Lichtstärke 1:2,8. Sie bezeichnet auch gleichzeitig die höchste Anfangsöffnung eines Objektivs, grundsätzlich gilt ein Objektiv höherer Lichtstärke als vorteilhaft gegenüber einem Objektiv mit geringerer Lichtstärke. Objektive erreichen i.d.R. ihre beste Abbildungsleistung, wenn sie um ein bis zwei Blendenstufen abgeblendet sind. Trotz dieses scheinbaren Widerspruchs, sind Objektive mit hoher Lichtstärke fast immer deutlich teurer als eine lichtschwächere Version. Sie haben allerdings auch zwei deutliche Vorzüge:

1. Sie erlauben bei voller Blendenöffnung das Fotografieren auch bei weniger Licht, bzw. kann man man u.U. auf den Einsatz eines Stativs verzichten.

2. Sie reduzieren die Schärfentiefe je weiter das Objektiv geöffnet ist und lassen dabei störende Details im Hintergrund in Unschärfe versinken!

Die Abbildungsleistung

Leider gibt es keine Messzahl für die Abbildungsleistung eines Objektivs. Neben der reinen Schärfeleistung kommen i.d.R. mehr oder weniger ausgeprägte Abbildungsfehler, wie z.B. Verzeichnung, Vignettierung und Aberation. Alles zusammen macht dann die Abbildungsleistung eines Objektivs aus. Die allermeisten heute im Handel befindlichen Objektive bewegen sich auf sehr hohem Niveau und sind auch entsprechend gut korrigiert. Extreme Weitwinkelobjektive leiden gelegentlich unter tonnen- oder kissenförmiger Verzeichnung an den Bildrändern sowie unter Vignettierung (Abschattung) in den Bildecken. Chromatische oder sphärische Aberation hat die Industrie heute weitestgehend im Griff.

Wichtiger ist die Schärfeleistung. Sie wird in Linienpaaren pro Bildhöhe gemessen und sagt etwas darüber aus, wie gut feine Details noch dargestellt werden können. Was nutzt einem eine Kamera, die einen Sensor mit 24 Megapixel hat, wenn man dort ein minderwertiges Objektiv drauf setzt, dass zu wenige Linienpaare auflöst, um jeden einzelnen Pixel anzusprechen?

Der Preis

Ein Indiz für die Qualität eines Objektivs ist natürlich auch der Preis. Denn, je aufwändiger das Linsensystem und je sorgfältiger die Verarbeitung, desto höher auch der Preis. Doch Vorsicht: Es gibt durchaus Objektive auf dem Markt, die preiswert sind und doch hervorragende Leistungen erzielen.

Tipp

Wer sich ein neues Objektiv anschaffen will, für den lohnt in jedem Fall der Blick in mehrere Fachzeitschriften oder zu den Testberichten der Stiftung Warentest. Gute Erfahrungsberichte findet man auch in den einschlägigen Foren im Internet!

Schreibe einen Kommentar