Farbe bekennen

Einen farbigen Akzent setzen

Farbig ist nicht bunt. „Es geht bunt zu!“ oder „Das ist mir zu bunt!“ Bunt ist nach Volkes Stimme offensichtlich kein Qualitätsprädikat. Natürlich darf es in einem Foto auch mal kräftig bunt sein. Aber das muss ein Motiv auch entsprechend hergeben. Eine Parade von Heißluftballons bei tiefblauem Himmel ist sicherlich ein lohnendes Motiv, auch ein Stand auf einem südländischen Basar darf schon mal recht farbenfroh ausfallen. Oder denken Sie an eine Segelregatta mit den vielen bunten Segeln, ein solches Szenario wirkt natürlich.
Ja, ich glaube, dass leuchtende Farben, dort wo es einen natürlichen Eindruck hinterlässt, einfach authentisch rüberkommen. Aber in vielen Fällen ist knallige Buntheit einfach zu viel des Guten. Dezente Farbkompositionen strahlen Ruhe aus, sie wirken auf den Betrachter und vermitteln eine angenehme Grundstimmung.
Wir wissen aber auch, dass manche Farben kühl, andere dagegen warm wirken. Blau, Grün und Violett haben eine kühle Ausstrahlung. Gelb, Orange und Rot gelten als warme Farbtöne. Man denke nur an Sonnenuntergänge, die in diesen warmen Töne fast immer eine wohlig-warme Stimmung hinterlassen. Kühle Farbe dominieren oft den Bildhintergrund, warme Farben den Vordergrund. Aber das ist sicher keine starre Regel.
Aber Farbe kann, selbst wenn sie nur dezent auftritt, durchaus störend im Bilde auftreten, dass hat nichts mit der Physik des Lichtes zu tun, sondern mit dem menschlichen Gehirn. Der Mensch weiß z.B. aus tausendfacher Erfahrung wie ein weißes Hemd aussieht. Platzieren wir nur einen Menschen mit einem weißen Hemd unter einen grünen Sonnenschirm, dann erhält dieses weiße Hemd objektiv einen Grünschimmer. In Natura sieht der Mensch eigentlich ein grünliches Hemd. Da er aber weiß, dass dieses Hemd weiß ist, gleicht das Gehirn diesen Farbstich wieder aus. Im Gehirn des Menschen kommt wieder „weiß“ an. Da verhält sich die Kamera weitaus objektiver. Sie gleicht diesen Grünstich nicht ohne weiteres aus.
Mit diesem Phänomen musste die analoge Fotografie mit diversen Filtern reagieren. Digitalkameras verfügen heute über verschiedene Weißabgleichmodi, mit denen solchen Farbstichen zu Leibe gerückt werden kann. Aber selbst wenn bei der Aufnahme etwas schief gegangen ist, hat man heute mit Mitteln der digitalen Bildbearbeitung immer noch die Möglichkeit einen Farbstich aus einem Bild zu eliminieren.
Viel interessanter ist eigentlich die Möglichkeit mit Farbe ein Bild zu gestalten. Große Wirkung erzielen immer wieder Fotos, in denen Ton-in-Ton-Farben die Komposition beherrschen. Ein beliebtes Stilmittel ist auch der komplementäre Farbtupfer. Ein Bild wird z.B. von kühlen Farben dominiert und irgendwo (im „Goldenen Schnitt“?!) ist ein kleines Motiv mit knalliger Komplementärfarbe. Trotz der Tatsache, dass dieser Farbtupfer eine viel kleinere Fläche ausfüllt, dominiert sie auf eindrucksvolle Weise das Bild. An solchen Bildern erkennt man, dass der Fotograf nicht einfach drauflosgeknipst hat, sondern hier mit ein Foto bewusst gestaltet wurde.
Mittlerweile etwas abgegriffen ist die Masche, in einem Schwarz-Weiß-Foto, einen Farbtupfer zu setzen. Als Beispiel mag hier das Portrait einer jungen Dame in SW gelten, bei der die Lippen knallrot gestylt sind. Einmalig angewendet mag das noch Eindruck auf den Betrachter hinterlassen, schon das zweite Bild dieser Art entlarvt diese Technik aber als Masche.

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