Die Suche nach dem richtigen Motiv

Sonnenuntergang am Neustädter Binnenwasser

Man kennt die Bilder von mit Fototechnik überladenen Touristen bei den großen Sehenswürdigkeiten dieser Welt. Und es wird geknipst, was die Speicherkarten hergeben. Natürlich kann man nach der Methode vorgehen: Wenn ich nur eine genügende Anzahl von Fotos mache, dann werden wohl auch ein paar schöne dabei sein. Das unterscheidet eben den Knipser vom Fotografen. Der Knipser stellt auf „Dauerfeuer“ und los geht’s. Der Fotograf schaut, wenn möglich umrundet er sein Motiv, wartet auf das richtige Licht oder sucht nach der außergewöhnlichen Perspektive. Das Bild entsteht erst einmal im Kopf des Fotografen. Erst wenn er eine genaue Vorstellung entwickelt hat, wie „sein“ Bild aussehen soll, dann greift er zur Kamera und drückt auf den Auslöser.
Als man zu analogen Zeiten das Filmmaterial kaufen musste, wurde mehr mit Bedacht fotografiert. Bezeichnend auch, dass mit größer werdendem Format (und damit auch zunehmenden Kosten je Bild) der Aufwand für das einzelne Foto stieg. Während es auch unter den Kleinbild-Fotografen Leute gab, die reichlich Filmmaterial abschossen, immer in der Hoffnung es möge „das“ Bild dabei sein, belicht(et)en die Mittelformat-Fotografen  in der Regel deutlich weniger Film und Großbild-Fotografen belicht(et)en manchmal an einem ganzen Tag nur ein einziges Bild! Aber dieses Bild ist, aufgrund der aufgewendeten Sorgfalt, eben kein Zufallsprodukt.
Bei jedem Bild sollte man sich vorher bewusst machen, warum man auf den Auslöser drückt.

  • Ist der Erinnerungswert einer Szene groß genug!
  • Ist es ein ungewöhnliches Motiv?
  • Ist es die Ästhetik des Modells, der Landschaft?
  • Sind die Wetterbedingungen ungewöhnlich, z.B. dramatischer Himmel, Gewitter, Wetterleuchten, Sonnenauf- oder untergänge, Regenbögen?
  • Möchte man eine Veranstaltung, Familienfeier dokumentieren?
  • Ist man Zeuge / Teilnehmer an eines zeitgeschichtlichen Ereignisses?

Eines oder mehrere dieser Gründe können den Ausschlag für das Entstehen eines Fotos sein. Aber wenn es nur darum geht, dass noch ein paar Bilder auf die Speicherkarte passen, dann sollte man die Kamera lieber einpacken.
Hin und wieder hat man die Gelegenheit ein seltenes Ereignis zu fotografieren, dann ist es sogar geboten, lieber einmal mehr auszulösen, als aus falsch verstandener Sparsamkeit den entscheidenden Augenblick zu verpassen. Aber bringen Sie anschließend ruhig den Mut auf, die x-te Bildwiederholung  zu löschen.

Schreibe einen Kommentar