Der Verschluss

Der Verschluss ist ein wichtiger Bestandteil einer Kamera. Ersteuert die Lichtmenge, die auf den Sensor fällt, indem er den Strahlengang zum Sensor für eine bestimmte Zeit freigibt. Dadurch übernimmt der Verschluss eine zweite Funktion: Er „friert“ Objekte ein, d.h. er macht aus einem Bewegungsbild ein Standbild. Das weiss im Grunde jeder, der schon einmal ein Foto gemacht hat. Aber das Wissen um diesen Umstand bietet Spielräume für die Bildgestaltung. Wie man mit der Verschlusszeit ein Bild bewußt gestalten kann, dem wird ein eigener Artikel gewidmet. An dieser Stelle soll es erstmal um die rein technische Seite gehen. In den Anfängen der Fotografie ersetzte der Objektivdeckel den Verschluss. Das Aufnahmematerial war nicht sonderlich lichtempfindlich und musste daher sehr lange belichtet werden. Mit der Zeit wurden die Materialien immer lichtempfindlicher und es musste ein mechanischer Schließmechanismus die immer kürzer werdenden Belichtungszeiten steuern. So kam es zu der Erfindung des Zentralverschlusses.

Der Zentralverschluss

 

Es handelt sich dabei um eine Lamellenkonstruktion, die sich um einen Drehpunkt öffnen. Für den Moment der Aufnahme schwenken sie nach außen und geben damit den Weg für das Licht frei. Zentralverschlüsse geben das Bildfeld einmal im geöffneten Zustand komplett frei und können deshalb mit Blitzgeräten in allen Zeiten synchronisiert werden. Wie wir gleich noch sehen werden, ist das bei Schlitzverschlüssen nicht möglich. Zentralverschlüsse sitzen nicht wie Schlitzverschlüsse direkt vor dem Sensor, sondern im Objektiv und zwar dort, wo die Lichtstrahlen am stärksten gebündelt sind. Dadurch kann man diese Verschlüsse kompakter bauen und die beweglichen Massen möglichst gering halten. Nachteilig beim Zentralverschluss ist, dass man ihn in jedes Objektiv des Kamerasystems einbauen muss. Bauartbedingt läßt er auch nicht so kurze Belichtungszeiten zu wie sein Pendant der Schlitzverschluss. Den Zentralverschluss findet man noch in Kompaktkameras, gelegentlich bei Mittel- und Großformatkameras. Im Segment der DSLR findet man nur noch den Schlitzverschluss vor.

 

 

 

 

 

 

Der Schlitzverschluss

Der Schlitzverschluss liegt direkt vor der Sensorebene und zieht seine Lamellen entweder horizontal oder vertikal auf. Diese Lamellen nennt man Verschlussvorhang. Je kürzer die Belichtungszeit, desto schmaler ist der Schlitz, der den Sensor freigibt. Bis zu einer Belichtungszeit von 1/125 Sek. oder bis 1/250 Sek. öffnet sich der Verschlußvorhang komplett. Nur wenn der Vorhang komplett geöffnet ist, wird das Bild bei Einsatz eines Blitzgerätes auch komplett ausgeleuchtet. Das liegt daran, dass die Blitzzeiten noch einmal wesentlich kürzer sind als die Verschlusszeiten. Wenn als der Verschluss nur zu einem Schlitz geöffnet ist, wird auch nur dieser geöffnete Teil vom Blitz ausgeleuchtet. Der Rest bleibt dunkel! Nur bis zu der Belichtungszeit, in dem das gesamte Bildfeld freigegeben ist, können Blitzgeräte synchronisiert werden. Diese kürzeste Blitzsynchronzeit ist von Kamera zu Kamera unterschiedlich. Moderne Kamera / Blitzgeräte Kombination lassen auch noch kürzere Blitzsynchronzeiten zu, indem sie, während der Schlitz den Sensor freigibt, mehrfach kürzere Blitze abschießen. Diese sogenannte Kurzzeitsynchronisation ist aber meist nur teureren Systemen vorbehalten. Schauen wir uns das ganze mal an:

Ablauf eines horizontalen Schlitzverschlusses

Ablauf eines horizontalen Schlitzverschlusses

In der Abbildung sieht man zwei horizontal ablaufende Schlitzverschlüsse in 4 Phasen.

  • 1.Phase – geschlossen
  • 2.Phase – geöffnet Teil1
  • 3.Phase – geöffnet Teil2
  • 4.Phase – geöffnet Teil3

Als letztes folgt dann wieder Phase1 – geschlossen.

Diese Phasen laufen nicht abgehackt ab, wie man anhand des Fotos meinen könnte, sondern kontinuierlich. Man kann sich das wie zwei (Kino-) Vorhänge vorstellen, wobei der eine geöffnet und -kurze Zeit später – der andere geschlossen wird:

  • 1.Phase – 1. Vorhang komplett geöffnet, 2.Vorhang komplett geschlossen,
  • 2.Phase – 1.Vorhang komplett geöffnet, 2. Vorhang ein Drittel geöffnet,
  • 3.Phase – 1.Vorhang ein Drittel geschlossen, 2. Vorhang zwei Drittel geöffnet,
  • 4.Phase – 1.Vorhang zwei Drittel geschlossen, 2. Vorhang komplett geöffnet.

Dieses Wissen um die 2 Vorhänge ist nicht nur graue Theorie, sondern sie wird uns später wiederbegegnen, wenn es um den kreativen Einsatz von Blitzgeräten geht.

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